04.04. // Die Regierung

// Die Hamburger Schule Urgesteine live! // Einlass: 19:30:00 Uhr TICKETS

Präsentiert von Rolling Stone, musikblog.de, ByteFM

Das Comeback nach dem Comeback! Als vor fast zwei Jahren ein neues Album von DIE REGIERUNG herauskam: Damit war nicht zu rechnen! Dass es obendrein noch ein so sehr gutes Album war, hätte kaum ein Rossmy-Fan zu träumen gewagt. Aber das nach „Raus“ mit „Was“ bereits 2 Jahre später das 5. Album der Bandhistorie erscheint ist sensationell!

„Was“ macht da weiter wo „Raus“ aufgehört hat, ja dort wo „unten“ und „so drauf“ einst den Weg für Die Regierung ebneten. Die Single „Vielleicht in Hamburg“ erschien bereits zu Tilman Rossmys 60. Geburtsgag im August. „Was“ erscheint am 22. März bei Staatsakt, direkt im Anschluss geht es auf Tour.

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Die Regierung und später die Solo Alben von Tilman Rossmy waren in den neunziger Jahren ein selbstverständlicher Bestandteil der so genannten Hamburger Schule. Etliche Jahre nachdem der Sänger sich „französisch verabschiedet“ hat, wird (2015) das Debut Album der Band aus dem Jahr 1984, „Supermüll“, wieder herausgebracht und zwingt die Band dazu, die Sache mit dem Abschied zurückzunehmen, weil sie sich selbst so gut findet. Nach meinem Besuch des Reunion-Konzerts im Hamburger Knust, kann ich das nur bestätigen: Lange habe ich sie vermisst, diese großen emotionalen Momente, die Tilman Rossmys lakonische wie weltkluge Geschichten im Zusammenklang mit der Musik erschaffen. Das Ganze ist definitiv mehr als die Summe seiner Teile, und die Herren beschließen am Ende ihrer Tour: „Ohne Regierung geht es nicht weiter.“ Das Ergebnis halten Sie in den Händen: „Raus.“Der Sound ist schon mal die erste Überraschung: Die beständigen und als Markenzeichen der Band eingetragenen Achtel-Bässe werden von munter zwischen die Schläge verteilten Special-Effects flankiert. Den Produzenten Norman Nitzsche und Ralf Schlüter gelingt damit das Kunststück, die raue Unmittelbarkeit der Regierung der achtziger Jahre mit den Werkzeugen heutiger Technik trickreich in die Gegenwart zu überführen. Es ist eine Neuerfindung der Mittel, aber nicht des Klangerlebnisses. Der Sänger nuschelt einem wie immer vertraut aus der Mitte der Aufnahme direkt ins Ohr. Alles ist so geblieben wie erhofft und trotzdem komplett neu.Aus dieser Mitte kommen dann die Erzählungen. Tilman macht eigentlich nichts anderes, als zu erzählen und dabei die eigene Lebenswirklichkeit zu einem Songtext zu verdichten, so wie die großen Songschreiber das getan haben: Hank Williams, June Carter oder Dolly Parton. Folk. Warum er mit der Musik aufgehört hat. Warum er von Hamburg aus in den Süden gezogen ist und was die anderen die ganze Zeit gemacht haben. Wie es so ist mit der Familie und dem Job und wie die Zukunft sich immer weiter verfinstert, wenn man älter wird.

Ich fühle mich direkt angesprochen von Zeilen wie:

„Du hast immer weiter gekämpft nicht wahr (…) für deinen Platz im Geschäft und ist es nicht ein Witz, dass man es so nennt? Irgendwie haben wir alle gedacht da draußen ist viel mehr Kundschaft mit einem Interesse an der eigenen Geschichte, an Geschichten von bemerkenswerten Menschen…“

Und dann sagt er noch, das ich ein bemerkenswerter Mensch wäre und ich möchte entgegen halten: „Ich habe keinen Sponsor!“, weil das auch in dem Lied vorkommt. So sehr kann man sich gemeint fühlen. In der letzten Strophe springt Tilman direkt zu einem Patti Smith-Konzert 1977, zitiert sie mit Worten: „Außerhalb der Gesellschaft warten sie auf dich“ und bringt das Stück damit auf eine andere Ebene, zu der Frage: Warum macht man das überhaupt mit der Musik? Warum nimmt man das auf sich. So wird aus der vermeintlich einfachen Nacherzählung des Erlebten große Kunst.Das Geheimnis dieser Kunst besteht vor allem in der Genauigkeit, mit der diese Sätze ausgewählt worden sind. Jedes Wort ist ein Stützpfeiler, kein einziges könnte man weg lassen. So entsteht ein Gefühl von Nähe und Authentizität – und die emotionalen Momente der Lieder. Das macht man nicht einfach so. Das ist ein Riesentalent.Am Ende des Albums steht Gevatter Tod vor der Tür und man möchte denken, spätestens jetzt muss es doch peinlich werden. Aber nein: „Die neue Zukunft heißt Erinnerung. Unsere Gegenwart ist eure Zukunft. Hebt eure Gläser und trinkt auf uns, denn wir sind auf dem Weg nach draußen.“

– Frank Spilker

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